München, den 30. Januar 2018

Die Bestattungskultur ändert sich, und es kommt einem so vor, als sei das nie so rasant gegangen wie in den vergangenen Jahren. Diese Veränderungen der Bestattungskultur bringen deutliche Veränderungen an den Friedhöfen mit sich.

Waldfriedhof in MünchenWährend sich vor 20 Jahren fast niemand auch nur mit dem Gedanken beschäftigt hat, ob es Bestattungsformen außerhalb von Friedhöfen geben könnte, stellen wir heute fest, dass es nicht mehr nur DIE eine, sondern viele verschiedene Bestattungsformen in Deutschland gibt. Und der Entscheidung, welche die richtige ist, kann sich niemand entziehen.

In Deutschland müssen alle Verstorbenen auf einem Friedhof oder einem dafür gewidmeten Ort wie beispielsweise einem Bestattungswald bestattet werden. Auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen ist auch eine Seebestattung möglich. Laut einer repräsentativen Umfrage des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur wollen mehr als 90 % der Deutschen weiterhin auf Friedhöfen beerdigt werden. Was sich vor allem geändert hat, ist, dass deutschlandweit mittlerweile mehr als 60 % der Verstorbenen eingeäschert werden. Die mit Asche gefüllten Urnen können im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben sehr unterschiedlich bestattet werden. So ist es möglich, die Urne in einem Erdgrab, einem kleineren Urnengrab, einer Urnenwand, in Kolumbarien, in Baumgräbern, Bestattungswäldern oder anonym auf dem Friedhof bestatten zu lassen. Durch die dadurch stark gesunkene Zahl von Erdgräbern entstehen Leerflächen auf den Friedhöfen, die einer neuen Verwendung zugeführt werden können. Diese Aufgabe fordert die Friedhofsverwaltungen heraus. Hier sind beispielsweise in den letzten Jahrzehnten deutschlandweit Gemeinschaftsgrabanlagen entstanden, die von Friedhofsgärtnern in Kooperation mit örtlichen Steinmetzen gestaltet und gepflegt werden. Friedhofsflächen werden so sinnvoll genutzt, und die Bürger erhalten eine pflegefreie Alternative zum herkömmlichen Grab, da sie generell von Friedhofsgärtnern gestaltet und gepflegt werden. Es sind blühende Beete oder kleine Parkanlagen, in denen Urnen und zum Teil auch Särge beigesetzt werden. Je nach Größe gibt es eine gemeinsame Stele oder einzelne Grabsteine, auf denen die Daten der Verstorbenen angebracht sind. Die Angehörigen finden damit bei ihrem Besuch immer einen blühenden, lebendigen und gepflegten Ort für ihre Trauer vor - selbst wenn sie nur in großen Abständen kommen können. Die meisten Gemeinschaftsgrabanlagen werden von friedhofsgärtnerischen Treuhandgesellschaften oder Genossenschaften geführt, über die auch die Finanzierung mittels Dauergrabpflegeverträgen erfolgt. Über sie werden die Verträge abgeschlossen, sie verwalten die eingezahlten Kundengelder und kontrollieren regelmäßig die Pflanz- und Pflegeleistungen der Friedhofsgärtner.

Gemeinschaftsgrabanlage in VeitshoechheimWenn man sich nicht schon zu Lebzeiten selbst Gedanken um die eigene Bestattung gemacht und das mit der Familie besprochen hat, müssen die Hinterbliebenen, meist in sehr kurzer Zeit, diese Entscheidung treffen. Die Angehörigen wohnen oft nicht in der Nähe des Friedhofs, vielleicht sogar in einem anderen Land, oder können die Grabpflege aus gesundheitlichen Gründen nicht gewährleisten. Die Angehörigen suchen dann nach einer möglichst pflegefreien Möglichkeit. Immer wieder entscheiden sich Angehörige dann für anonyme Grabfelder, weil sie Kosten und Aufwand scheuen. An den vielen Mitbringseln und Trauergaben bei diesen Grabflächen, die durch die Verwaltung regelmäßig mit großem Aufwand entsorgt werden müssen, erkennt man die intensive Beschäftigung und Trauerarbeit vieler Hinterbliebenen. Und es wird klar, dass dies für manche doch nicht die richtige Wahl war. Sie suchen einen Ort der Trauer und einen Bezugspunkt, den sie im Anonymen doch nicht finden.

Nicht-anonyme Möglichkeiten sind entweder Rasengräber, ein Platz in einer Urnenwand oder gärtnergepflegte Gräber. Beim Rasengrab oder der Urnenwand besteht oft nicht die Möglichkeit, persönliche Gegenstände abzulegen, aber immerhin bieten sie einen Ort für die Trauer und die Daten des Verstorbenen. Zu bedenken ist bei der Urnenwand, dass es sich hier nie um die wirklich „letzte Ruhestätte“ handelt: in jedem Fall wird der Beisetzungsplatz in der Urnenwand nach Ablauf der Ruhezeit durch die Friedhofsverwaltung geräumt und die Asche irgendwo anders am Friedhof, meist anonym, beigesetzt. Dies ist vielen Angehörigen, die sich für eine Urnenwand entscheiden, nicht klar.

Wer jedoch eine echte letzte Ruhestätte sucht, die das ganze Jahr über bepflanzt und gepflegt ist, kann dafür einen Gärtner beauftragen. Die örtlichen Gärtnereien bieten entweder Jahres- oder Dauergrabpflegeverträge an. Dauergrabpflegeverträge, die über Treuhandgesellschaften oder Genossenschaften abgesichert werden, kann man auch bereits zu Lebzeiten als Vorsorgevertrag abschließen.

Back to nature - zurück in die Natur. Auch dies ist ein Trend der heutigen Zeit, der rund 3% der Bevölkerung in Bestattungswälder führt. Ein kleines Metalletikett am Baum markiert den Punkt, wo die Urne begraben wurde. Baumbestattungen sind pflegefrei und auch hier darf nichts abgelegt oder angepflanzt werden. Was viele bei ihrer Wahl nicht berücksichtigen ist, dass die Waldwege für ältere Personen oft ein Hindernis darstellen, um die Grabstätte besuchen zu können.

Ein ähnliches Flair findet man auf alten Waldfriedhöfen. Viele Friedhöfe bieten inzwischen die Möglichkeit von pflegefreien Baumbestattungen an. Auch hier wird meist durch ein Etikett markiert, wo die Urne begraben wurde, der Vorteil ist aber, dass die Besucher die gute Infrastruktur des Friedhofs nutzen können.

Weitere Gestaltungsmöglichkeiten gärtnergepflegter naturnaher Grabstätten sind mit Stauden, Gehölzen, Biotopen und Nistmöglichkeiten für Tiere versehene Gemeinschaftsgrabanlagen auf Friedhöfen, die in vielfältigen Erscheinungsformen neu entstehen oder bereits existieren und den ökologischen Wert der Friedhöfe erhöhen.

Wenn man der Fragen nachgeht „Was ist mir wichtig und welche Möglichkeiten habe ich?“, wird die Antwort darauf möglicherweise auch die Wahl des richtigen Bestattungsortes erleichtern. Dabei geht es nicht nur darum, was einem selbst wichtig ist, es geht auch um die Vorstellungen, Wünsche und Möglichkeiten der Hinterbliebenen. Sie sind es schließlich, die später einen Ort für ihre Trauer brauchen. Sie sind es, die sich später um das Grab kümmern müssen und vielleicht sogar wollen. Und sie sind es, die die Kosten für die Entscheidung tragen, falls man nicht selbst einen Vorsorgevertrag zu Lebzeiten abgeschlossen hat. Oft schätzt man die Vorstellungen der Angehörigen falsch ein. Ein offenes Gespräch zu Lebzeiten bringt die nötige Klarheit.

Bilder:

Bild 1: Hinterbliebener bei der Bepflanzung einer Grabstätte auf einem Friedhof im Frühling.[Download]

Bild 2: Spaziergang auf einem Waldfriedhof in München.[Download]

Bild 3: Ruhegemeinschaften bieten eine gärtnergepflegte Möglichkeit der Urnenbestattung.[Download]

Bild 4: Modern gestaltete Gemeinschaftsgrabanlage mit Urnen- und Erdgräbern.[Download]

Bild 5: Grabstätte in einem Bestattungswald. [Download]

Bild 6: Urnenwand [Download]

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